Patagonien

Rund um Punta Arenas

Heute klingelt der Wecker besonders früh um 5:45 Uhr. Wir legen einen Schnellstart hin und nach einem Kaffee und ein paar Keksen sitzen wir eine halbe Stunde später im Auto auf dem Weg zu Solo Expediciones, bei denen wir für heute Morgen einen Ausflug zur Pinguin-Insel gebucht haben.

Um 6:30 Uhr ist Treffpunkt im Stadtbüro und als alle angemeldeten Personen so nach und nach eingetrudelt sind, geht es mit dem Bus zum Hafen in Laredo Bay. Von hier fahren wir dann mit einem Boot eine reichliche Stunde lang bis zur Isla Magdalena. Diese ist seit 1967 Naturschutzgebiet und heute Nationalpark. Sie ist einer der wenigen Orte in Patagonien, an denen man sich Pinguinen bis auf wenige Meter annähern darf.

Unterwegs halten die meisten oben an Deck nach Walen Ausschau, wenn auch nicht sonderlich erfolgreich.

Uns ist es da oben zu zugig, zu kalt und zu wenig aussichtsreich, also bleiben wir fast als Einzige unter Deck.

Verpasst haben wir nichts, aber ich komme dadurch immerhin in den Genuss, das Boot mal für ein paar Minuten steuern zu dürfen thumbsup

Auf der Insel haben wir dann eine Stunde Zeit, um auf einem schmalen abgesperrten Rundweg die Insel zu erkunden und dabei die hier zu Tausenden lebenden Magellan-Pinguine in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Diese sind die regelmäßig einsetzende Touristeninvasion offenbar gewohnt und lassen sich von uns in keinster Weise stören.

Die gesamte Insel ist mit Bruthöhlen übersät und wir beobachten Eltern, wie sie in die Erdlöcher zu ihren Nestern krabbeln und noch ganz flauschige Jungtiere, die ihre ersten Erfahrungen in der Gruppe sammeln.

Aber nicht nur Pinguine gibt es zu sehen: auch Kormorane, Magellangänse und zahlreiche weitere Seevögel sind hier zu Hause.

Wir beobachten beispielsweise fasziniert, wie Baby Möwen von ihren Müttern gefüttert werden — das haben wir so unmittelbar noch nie erlebt.

Alles in allem ist der Ausflug jedoch nicht so außergewöhnlich, wie wir das eigentlich erhofft hatten. Wir haben ja früher in Südafrika schon jede Menge Pinguine gesehen, was damals irgendwie ein bisschen interessanter und aufregender war.

Das liegt möglicherweise auch an der zeitlichen Beschränkung, die wir hier auf der Insel haben: Man wird permanent dazu angehalten, Schritt zu halten und nicht zu lange an einer Stelle zu verweilen, weil man nach der einen Stunde ja wieder an Bord sein muss…

Auf der Rückfahrt schwimmen unserem Katamaran dann noch ein paar Delphine hinterher und vollführen tolle Sprünge.

Außerdem stoppen wir noch kurz vor der Insel Marta, wo es jede Menge Seekühe zu sehen gibt. Diese machen einen Heidenkrach und ihrem Namen ganze Ehre, denn es hört sich an wie eine riesige Kuhherde.

Später gibt es auf der Rückfahrt noch Kaffee, Kekse und Pisco Sour. Da der Kaffe ungenießbar ist, halten wir uns an den Pisco margarita


Gegen 11:30 Uhr sind wir wieder in Punta Arenas zurück und werden aus dem Bus entlassen. Wir schnappen uns unsere Susi und fahren zum Museo Nao-Victoria etwas außerhalb der Stadt. Hier schauen wir uns die Nachbildungen einiger historischer Schiffe an, die eng mit der Erforschung Patagoniens verbunden sind.

Unter anderem gibt es die Nao Victoria zu sehen: ein Schiff der Flotte, mit der Magellan den Seeweg durch den amerikanischen Kontinent entdeckte, und das einzige der fünf Schiffe, das die erste Weltumseglung vollendete.

Man kann sich eigentlich kaum vorstellen, das solche Schiffen früher tatsächlich um die Welt gesegelt sind — Respekt vor den Helden, die sich in solchen Nussschalen auf das Meer gewagt haben…


Nach 90 Minuten haben wir alles gesehen und nachgelesen und fahren zurück nach Punta Arenas.

Wir haben beschlossen, unser Auto heute schon beim Vermieter abzugeben und morgen stattdessen mit dem Taxi zum Flughafen zu fahren. So bringen wir die Susi also zum Stadtbüro von Seelmann und verabschieden uns von ihr. Sie hat uns treue Dienste geleistet auf den teilweise recht abenteuerlichen Straßen und mit ihrem “Sprung in der Schüssel” tapfer durchgehalten.

Die Mitarbeitern checken alles genau, aber außer dem Riss in der Scheibe, den wir ja nicht zu verantworten haben, ist nichts zu bemängeln und wir sind recht schnell entlassen.

Für den Nachmittag haben wir dann kein richtiges Programm mehr und schlendern zunächst eine große Runde über den Friedhof.

Hier ist von überirdischen Grabkammern über schlichte Erdgräber bis hin zu riesigen Mausoleen alles vertreten. Die meisten Gräber sind mit bunten Plastikblumen und Fotos der Verstorbenen geschmückt. Viele sagen, das sei der schönste Friedhof Südamerikas.

Es gäbe auf dem Friedhof auch noch das Denkmal des „Unbekannten Indianerjungen“, was aufgestellt wurde, um an den Völkermord der Ureinwohner zu erinnern und einen Gegenpol zu den Mausoleen der mächtigen Schafs- und Handelsbarone zu setzen. Allerdings haben wir das auf unserem Rundgang wohl irgendwie übersehen dontknow


Es folgt ein ausgedehnter Stadtbummel nebst einer schnellen geteilten Pizza im Gyros Pizza. Obwohl das Restaurant von außen eigentlich nach gar nix aussieht, ist diese richtig lecker.

Später schlendern wir noch einmal an der Uferpromenade entlang und nehmen gedanklich Abschied von Patagonien.

Zum Abendessen landen wir heute im La Marmita — ein ausgesprochener Glücksgriff. Gemütliches Ambiente wie in einer Künstlerkneipe, außerordentlich freundliches Personal und kreative, leckere Küche. Als Vorspeise gibt es für uns Ceviche vom Seehecht und Carpaccio vom Guanako, als Hauptgang nehmen wir Lamm bzw. Lachs.

Ein sehr schöner letzter Abend in Patagonien!