Patagonien

Torres del Paine NP: Valle Frances

Der Sturm hat die ganze Nacht hindurch an unserem Häuschen gerüttelt und es hörte sich wieder nach ziemlich viel Regen an. Aber als wir heute Morgen gegen 6:30 Uhr aufstehen, sieht es schon wieder recht freundlich aus und wir können unsere geplante Wanderung im Valle Francés wie geplant angehen thumbsup

Die erste Herausforderung des Tages beginnt jedoch beim Duschen: Haare waschen unter einem Wasserstrahl, der mit der Fließgeschwindigkeit von Honig aus dem Duschkopf tröpfelt…

Zum Glück haben wir es aber nicht eilig, da der erste Katamaran über den Lago Pehoé eh erst um 9:00 Uhr abfährt. Also lassen wir uns auch beim Frühstück viel Zeit und schauen vor der Abfahrt noch einmal kurz bei den Magellan-Gänsen auf der Insel vorbei, die gerade Junge haben.


Gegen 8:00 Uhr brechen wir auf zum Hafen in Pudeto, wo der Katamaran startet. Die Strecke über den Lago Pehoé wird von Hielos Patagonicos dreimal am Tag befahren und man kann nicht vorbuchen, sondern muss einfach rechtzeitig da sein.

Wir sind 45 Minuten vor der Abfahrtzeit da und damit bei weitem nicht die Ersten. Es herrscht schon ein ziemlich großer Andrang — unter anderem wartet bereits eine größere Gruppe von Backpackern, die auf den berühmten W-Trek wollen.

Während dem Warten wird es ziemlich kalt. Wir ziehen uns alles über was wir dabei haben, zittern vor uns hin und sind froh, als wir endlich auf den Kahn dürfen.

Dieser wird dann so hoffnungslos überfüllt, dass ein Großteil der Leute im Stehen fahren muss.

Eine Maximalanzahl Passagiere scheint es hier nicht zu geben. Sicherheitsrichtlinien auch nicht. Passieren darf da allerdings nichts, sonst sitzt man in einer Mausefalle…

Letztlich legen wir dann 15 Minuten vor der offiziellen Zeit ab - alle bis dahin Angekommenen sind untergebracht. Wer dagegen erst pünktlich laut Fahrplan erscheint, hat Pech gehabt.

Ein Ticket für die einfache Fahrt kostet übrigens umgerechnet knapp 28 EUR pro Person. Ganz schön happig — der Preis hat sich da in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Aber über die Preise im Torres del Paine Park habe ich ja eh schon genug gejammert…


Die Fahrt mit dem Katamaran ist dann ruhiger als bei dem Wind erwartet, niemand muss unterwegs Fische füttern und nach einer halben Stunde kommen wir an der Paine Grande Lodge auf der anderen Seite des Sees an.

Wir machen uns direkt auf den Weg, um etwas dem großen Pulk zu entgehen. Aber dieser löst sich eh ziemlich schnell auf, da ein recht großer Teil der Passagiere entweder erstmal in der Paine Grande Lodge eincheckt um das Gepäck zu deponieren oder aber die Wanderung zum Grey Gletscher auf dem Schirm hat. Wir dagegen starten heute in die andere Richtung: zum Valle Francés.

Der erste Abschnitt des Trails ist relativ flach und einfach zu laufen. Er führt zur Nordseite des Lago Skottsberg und weiter bis zum Camp Italiano.

Die Berggipfel hängen teilweise noch in dicken Nebelschwaden, aber die Sonne drückt gewaltig und die Blau-Anteile am Himmel werden immer größer. Zwischendurch tröpfelt es auch mal wieder kurz — das Wetter scheint sich im 5-Minuten-Takt zu ändern und es ist noch nicht ganz abzusehen, wer den Kampf am Himmel heute für sich entscheiden wird.

Der Weg ist vom Regen der letzten beiden Nächte extrem schlammig, es gibt Unmengen an tiefen Pfützen, so dass wir am Ende des Tages aussehen, als hätten wir ein Schlammbad genommen wink

Nach 2.5 Stunden kommen wir am Camp Italiano an. Eigentlich wollten wir hier Mittagspause machen, aber es liegt alles ziemlich im Schatten und es ist nicht wirklich idyllisch. Also laufen wir direkt weiter in Richtung Mirador Francés.

Es wird jetzt deutlich steiler und geht immer höher und tiefer in das Tal hinein. Der Untergrund wird schwieriger, aber die Ausblicke dafür mit jedem Schritt spektakulärer und immer wieder verkündet ein lautes Donnern unterwegs, dass der Gletscher „lebt“.

Gegen 13:30 Uhr erreichen wir den Aussichtspunkt Mirador Francés am Fuß der „Hörner“ Los Cuernos. Hier bietet sich uns ein grandioser Ausblick auf den Französischer Gletscher, der sich von dem Berg Paine Grande abwärts bewegt. Im Hintergrund tafeln sich die Spitzen der Cuernos auf und unten im Tal spiegeln sich die Seen.

Einfach nur Spektakulär!

Nach einer halbe Stunde reißen wir uns widerstrebend von dem Anblick los und machen uns langsam wieder auf den Rückweg. Man könnte im Valle Francés auch noch ein ganzes Stück weiter bis zum Aussichtspunkt Británico wandern und genau das würden wir jetzt am liebsten auch tun.

Aber leider reicht unser Zeitfenster dafür nicht aus, da wir dann den letzten Katamaran um 18:30 Uhr nicht mehr rechtzeitig erreichen würden.

Auf dem Rückweg fällt der Blick dann automatisch immer wieder nach hinten…

… und uns fallen wieder einmal die extrem vielen toten Bäume auf.

Wir fragen unterwegs einen Ranger danach und er erzählt uns, dass im Jahre 2011 ein Tourist die Bitte, absolut nichts im Park liegen zu lassen, etwas falsch interpretierte und versuchte, sein benutztes Toilettenpapier zu verbrennen.

Das Feuer geriet dabei völlig außer Kontrolle und hatte verheerende Folgen: An die 20.000 Hektar Waldfläche wurden zerstört.

Gegen 17:30 Uhr sind wir schließlich nach einer tollen Wanderung wieder zurück an der Paine Grande Lodge.

Wir haben bis zur Abfahrt des Katamarans noch eine Stunde Zeit, die wir für zwei schnelle Bierchen nutzen.

Außerdem sprintet Andreas nochmal eben schnell auf den Hügel am Katamaran-Anleger um von oben ein Foto von den wartenden Passagieren zu machen wink

Schließlich schippern wir wieder über den See…

… und sind gegen 19:30 Uhr zurück in unserer Hosteria.

Dort warten schon Beate und Reinhold auf uns, mit denen wir uns zum Abendessen verabredet haben. Die beiden waren die ganze Zeit über auf der gleichen Route unterwegs wie wir, aber wir waren ihnen immer 1-2 Tage voraus. Erst hier ganz am Schluss der Reise haben wir es geschafft, uns mal mit ihnen zu treffen.

Wir verbringen einen sehr netten Abend zusammen, tauschen Urlaubserfahrungen aus und freuen uns, dass wir uns endlich mal persönlich kennen gelernt haben.