Patagonien

Torres del Paine NP

Nachdem der Wetterbericht für heute absolut nichts Gutes vorhergesagt hat, haben wir den Wecker vorsorglich ausgestellt und schlafen bis fast 8:00 Uhr.

Es ist wie erwartet extrem windig und regnerisch — nicht einmal Andreas wagt sich zu seinem Morgenlauf hinaus und das will schon etwas heißen…

Wir gehen in’s Hotelrestaurant zum Frühstücken — es gibt ein recht übersichtliches Buffet — und überlegen, was wir heute mit diesem Tag anstellen sollen.

Die ursprünglich geplante Katamaranfahrt und anschließende Wanderung zum Grey Gletscher ist definitiv gestrichen. Aber es gibt ja auch noch die ein oder andere kurze Wanderung und so ein Erholungstag ist vielleicht gar nicht mal so schlecht. Immerhin gibt es in der Lobby einen Kamin und gemütliche Sofas rundherum, auf denen wir es uns bequem machen können wink

Als wir dann nach dem Frühstück unsere Sachen zusammen packen und uns so langsam auf den Weg machen wollen, ändert sich plötzlich das Bild:

Es ist zwar nach wie vor total stürmisch und der Wind peitscht die Wellen nur so über den Lago Pehoe, aber er fängt auch an, die dicken Wolken wegzublasen und die Sonne kommt mit einem Mal heraus.

Das ist patagonisches Wetter!

Es entstehen wunderschöne Regenbögen (Plural!), mystische Bilder mit in dünnen Nebelschwaden hängenden Bergspitzen und ansatzweise zeigt sich sogar blauer Himmel.

Wir machen uns sofort auf den Weg, um diese Phase auszunutzen und fahren das kurze Stück zu den Salto Grande Falls, wo wir gestern die Wanderung zum Cuernos Lookout ausgelassen hatten. Heute passt diese perfekt in unseren Tag.

Obwohl es gerade mal fünf Kilometer bis zum Parkplatz sind, brauchen wir eine ganze Weile, da wir immer wieder anhalten und versuchen, die fantastischen Farben festzuhalten, die durch das irre Wetter entstehen.

Am Parkplatz steht dann kein einziges Auto — wir sind scheinbar bisher die einzigen Verrückten, die sich bei diesem Sturm auf Tour machen…

Nochmal ein kurzer Stopp am Wasserfall mit fotogenem Regenbogen …

… dann marschieren wir los.

Gleich zu Beginn ist auf dem Weg eine kleine Anhöhe zu überwinden, die sich als echte Herausforderung erweist.

Über die extrem böige Stelle zwingt uns der Sturm zu Boden und wir können uns nur noch zentimeterweise auf allen vieren vorwärts bewegen. Dabei bekommen wir permanent den feinen Kies ins Gesicht geschleudert und wir sind uns kurzzeitig nicht sicher, ob das noch vernünftig ist, was wir hier machen.

Wir sind kurz vor dem Aufgeben und Umkehren, aber nach dieser einen kritischen Stelle wird es deutlich besser und wir können wieder zum aufrechten Gang zurückkehren. Nur noch hin und wieder müssen wir uns schräg in den Wind stellen, um nicht weggeblasen zu werden wink

Ein paar Guanakos, die wir unterwegs sehen, lassen sich allerdings von dem starken Wind überhaupt nicht stören. Klar, die knuffigen Vierbeiner sind mit ihrem dicken Fell gut geschützt und an den Wind hier gewöhnt…

Der einfache, aber abwechslungsreiche Trail führt vorbei am idyllischen Lago Nordenskjöld und durch eine grandiose Landschaft. Dabei haben wir unterwegs permanent das Paine-Massiv im Blick, aus dem die Cuernos in verschiedenen Perspektiven vor uns aufragen.

Leider sind aber auch hier wie in der gesamten Gegend immer noch deutlich die Spuren des verheerenden Brandes zu sehen, den vor einigen Jahren ein Tourist durch Nachlässigkeit verursacht hat.

Nach einer reichlichen Stunde erreichen wir den Aussichtspunkt am Ende des Wanderweges und vor uns liegen die grauen Cuernos über dem türkis-blauen Lago Nordenskjöld. Ein beeindruckender Anblick.

Hier treffen wir auch ein junges französisches Pärchen, mit dem wir sofort nett in’s Gespräch kommen. Die beiden sind nur für einen Tagesausflug mit dem Bus aus Puerto Natales gekommen und müssen sich im Park trampend fortbewegen. Relativ unsicher, wenn man für die Rückfahrt am Abend wieder pünktlich zum Bus zurück muss…

Wir bieten ihnen an, sie nach der Tour zumindest bis zu unserem Hotel mitzunehmen, dann könnten sie von da aus noch eine kleine Wanderung am Nachmittag machen.

Das nehmen sie gerne an und so laufen wir auf dem Rückweg mit ihnen zusammen, tauschen weiter Reiseerfahrungen aus und haben gemeinsam ein Menge Spaß bei diversen Wind-Fotos…


Gegen 12:15 Uhr sind wir wieder am Parkplatz zurück und wenig später sitzen wir in der Lobby unserer Hosteria vor dem Kamin, um uns aufzuwärmen.

Wir trinken einen heißen Tee, genehmigen uns zum Lunch ein paar Empanadas und plaudern noch eine Runde mit den beiden Franzosen.

Nach einer Stunde brechen wir dann noch ein zweites Mal auf zu einer kleinen Nachmittagswanderung.

Nur ein paar Meter von unserer Unterkunft entfernt startet der Trail zum Mirador Condor, der uns dafür gerade recht erscheint.

Der Weg zum Aussichtspunkt führt sanft ansteigend durch eine idyllische Hügellandschaft und ist sehr angenehm zu laufen. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir bereits oben und genießen eine Weile die geniale Rundumsicht auf den Lago Pehoe, auf das Bergmassiv und die unberührten Hügel und Lagunen auf der Gegenseite.

Dann entscheiden wir uns spontan, nicht den gleichen Weg wieder zurück zu nehmen, sondern auf der anderen Seite des Hügels hinabzusteigen und die Variante über den Campingplatz zu laufen.

Dazu müssen wir allerdings erst einmal über den Sattel und durch eine Art Kamin hindurch. Dieser ist strömungsmechanisch äußerst ungünstig bei dem aktuellen Wind und wir haben ordentlich zu kämpfen. Mit annähernd 100 km/h pfeift es uns hier entgegen, aber halb kriechend und mit Hilfe des Allrad schaffen wir es irgendwie.

Nach dem Kamin treffen wir dann auf eine geführte Gruppe, die — vom Campingplatz aus kommend — hier ihre Wanderung abgebrochen hat. Echt schade, wenn man so kurz vor dem Aussichtspunkt und dem Gipfel umkehren muss, aber natürlich verständlich, wenn der Guide das so entscheidet: er hat ja auch eine gewisse Verantwortung für die Gruppe.

Der Weg hinab auf der anderen Seite führt zum großen Teil durch hohes Gras und gefällt uns auch total gut. Allerdings sind auch hier die Spuren des schlimmen Waldbrandes noch allgegenwärtig.

Vom Campingplatz aus müssen wir dann noch einen reichlichen Kilometer an der Schotterstraße zurück laufen, aber da diese direkt am See entlang führt und nicht stark befahren ist, ist das gar nicht weiter schlimm.

Gegen 15:30 Uhr sind wir schließlich wieder in unserer Unterkunft und verbringen den restlichen Nachmittag in der Lobby vor dem gemütlichen Kamin, wo wir einfach mal fünf gerade sein lassen.

Abendessen gibt es dann wieder in der Hostería — für mich das Menü und für Andreas einen Burger — und damit ist schon wieder ein Urlaubstag vorbei.