Patagonien

Von Puyuhuapi nach Coyhaique

Der Tag beginnt wie üblich: Andreas geht laufen und ich schreibe unterdessen ein bisschen am Reisebericht. Dann packen wir unseren Krempel zusammen und räumen das Auto abfahrbereit ein, da es Frühstück erst ab 8:00 Uhr gibt und wir im Anschluss direkt losfahren wollen.

Wir haben heute eine etwas längere Fahrstrecke vor uns und wollen evtl. auch noch ein bisschen was wandern unterwegs. Gegen 8:30 Uhr brechen wir auf in Richtung Süden. Endziel für heute ist Coyhaique, die Hauptstadt der Region Aysén.

Das erste Stück der Strecke kennen wir bereits von gestern: Riesige Nalca Pflanzen und gigantische Farne schmücken den Wegesrand, aufziehende Nebelschwaden hängen über dem Queulat Fjord und auch diese abgestürzte Brücke lag gestern schon im Fluss:

Nach dem Nationalpark Queulat fahren wir heute allerdings in Richtung Süden weiter und der Asphalt weicht mal wieder einer Schotterstraße. Diesmal ist es allerdings eine richtig üble. Millionen von Schlaglöchern, die alle mit dem Regen der letzten Nacht gefüllt sind und das endlose Kilometer lang:

Und als wäre die Fahrerei auf dieser Straße nicht schon übel genug, öffnet Petrus irgendwann die Schleusen und der Himmel verwandelt sich in eine einzige dunkelgraue Masse, aus der heraus es ordentlich schüttet.

Den Trail zum Salto Padre Garcia, denn wir unterwegs eigentlich laufen wollten, lassen wir deshalb aus: bei diesem Wetter haben wir darauf nicht wirklich Lust.

Die Straße schraubt sich in engen Serpentinen nach oben zu einem der höchsten Pässe der Carretera Austral: von Meereshöhe schaukeln wir uns in ziemlich kurzer Zeit bis auf 600 Meter hoch. Respekt vor den Radfahrern, die sich mit ordentlich Gepäck beladen bei diesem scheußlichen Wetter hier herauf quälen!

Der Regen wird im Laufe der Fahrt immer schlimmer und so muss später leider auch die geplante Wanderung zur Lagune im Bosque Encantado dran glauben. Auf die hatte ich mich eigentlich besonders gefreut, aber das macht bei diesem Wetter einfach keinen Sinn — wirklich schade.

Aber wir sehen zumindest den ein oder anderen netten Wasserfall direkt von der Straße aus. An den Cascadas La Virgen ist das Aussteigen aus dem Auto, um ein Foto von selbigen zu machen, allerdings eine echte Herausforderung. Es schüttet mittlerweile kübelweise und ich bin nach den zehn Sekunden, die ich außerhalb des Autos zum Fotografieren verbringe, total durchgeweicht.

Als es dann kurzzeitig mal etwas langsamer regnet, halten wir in Villa Amengual für eine kurze Unterbrechung der Fahrt. Hier gibt es ein kleines Café in einem umgebauten und umfunktionierten alten Bus, in dem wir uns zwei Stück Kuchen und zwei Kaffee genehmigen.

Auf der Weiterfahrt beginnen sich dann die undurchdringlichen, immergrünen Regenwälder langsam zu lichten und machen mehr und mehr der rauen südpatagonischen Berglandschaft Platz. Leider gibt es aber keine Fotos dontknow — zu nass…

Als das Eingangsschild von Villa Mañiuales verkündet, dass es im Ort einen Geldautomaten gibt, machen wir eine weitere kurze Pause. Im Supermarkt werden wir tatsächlich fündig und können so unsere Bargeldvorräte wieder etwas aufstocken und dann weiter durch den Regen fahren.

Später kommen wir durch das (zumindest laut Beschreibung im Reiseführer) wildromantische Tal des Río Simpson, von dessen Romantik wir allerdings durch den nach wie vor anhaltenden grauen Regenschleier nicht viel zu sehen bekommen.

Oh Mann, tun uns die Fahrradfahrer leid!


Gegen 14:15 Uhr erreichen wir schließlich Coyhaique — durch die ausgelassenen Trails unterwegs viel früher als eigentlich geplant.

Wir tanken einmal voll und gehen dann in den nächstbesten größeren Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufüllen für die nächsten Tage mit Selbstversorgung. Nach Coyhaique kommt nämlich erst mal keine größere Stadt mehr auf unserer Route.

Im Supermarkt ist die Hölle los. Erst beim Suchen eines freien Platzes im Parkhaus, dann beim Besorgen eines Einkaufswagens und schließlich beim Anstehen an der Kasse. Die Chilenen scheinen durchweg Vorräte für einen ganzen Monat einkaufen: wir sehen an den Kassen quasi niemanden ohne einen riesigen Berg auf seinem Einkaufswagen. Und da dauert das Abkassieren natürlich eine Weile.

Später erfahren wir, das heute Pay Day ist — das erklärt natürlich einiges…

Jedenfalls dauert es geschlagene 90 Minuten, bis wir aus dem Laden wieder raus sind, was aber auch durchaus sein Gutes hat, denn in der Zwischenzeit hat es endlich aufgehört zu regnen thumbsup

Wir checken im Borde Simpson Hotel ein und beziehen unser Zimmer. Dieses ist zwar ein wenig klein, aber sehr hübsch und modern eingerichtet. Uns gefällt es.

Andreas muss noch eben seine Fingerabdrücke in der Pforte einprogrammieren lassen, damit wir diese später wieder öffnen können, dann brechen wir zu einem Stadtbummel auf.


Der erste Gang führt direkt in einen Souvenir Shop, um einen Regenschirm zu kaufen — wir trauen dem Frieden da oben einfach nicht…

Für läppische 5.000 CLP bekommen wir gleich zwei im Sonderangebot. Wahrscheinlich wird es dann jetzt nicht mehr regnen — wie das ja meistens so ist, wenn man einen Schirm dabei hat — aber dann war das Geld ja auch gut angelegt wink

Da wir den ganzen Tag über noch nichts weiter gegessen haben, sind wir ziemlich hungrig und gehen erstmal zu Mama Gaucha. In diesem echt urigen Laden gibt es superleckere Pizza und wir vertilgen eine mit Honig-Senf-Hühnchen und eine mit Lamm.

Danach bummeln wir noch eine Weile durch die Straßen.

Eigentlich ist Coyhaique ein nettes Städtchen, aber man bemerkt auch noch sehr stark die Auswirkungen der Unruhen vom letzten Herbst: Schaufenster und Banken sind verrammelt, die Carabineros sind überall präsent und die Wände sind mit Parolen voll gesprüht. So richtig zum Wohlfühlen ist das nicht…

Auf dem Rückweg zum Hotel versöhnt uns Petrus noch mit diesem schönen Regenbogen…

… und wir hoffen, dass es wettertechnisch morgen wieder etwas besser wird.

Gegen 20:00 Uhr sind wieder im Hotel und gehen heute nicht allzu spät ins Bett, da wir morgen sehr früh raus müssen.