Hawaii

Big Island: Mauna Loa & Mauna Kea

6:00 Uhr morgens in Hilo und die Sonne lacht — das kann doch nur ein perfekter Tag werden!

Wir starten wie auch in den vergangenen Tagen hier auf Big Island: Andreas frönt seinem Morgensport, ich döse noch ein bisschen und checke dann die News bzgl. der Kilauea Aktivitäten und die Wetterkarte.

Auf dem Mauna Kea sieht es heute Morgen wettertechnisch ziemlich gut aus und der Radar verspricht Stabilität über den ganzen Tag. Also ist es beschlossene Sache — heute werden wir auf den höchsten Berg der Insel fahren. Wir packen unsere warmen Klamotten ein — auf 4000 Meter wird es sicher ordentlich frisch — und gehen wie gewohnt um 8:00 Uhr zum Frühstück.

Hier gibt es exakt das gleiche Büfett wie jeden Tag — etwas Abwechslung wäre ja auch mal nicht schlecht…

Während wir auf der Terrasse noch am Essen sind, zieht sich der Himmel plötzlich zu und es beginnt wie aus Gießkannen zu schütten. Müssen wir etwa unsere Pläne überdenken, weil man der Wetterkarte nicht trauen kann? Aber nein, das wird wohl nur der übliche morgendliche Hilo-Schauer sein — wir behalten unseren Tagesplan bei und starten um 8:30 Uhr.

Den Stopp an den Rainbow Falls, die unterwegs an der Strecke liegen, schenken wir uns allerdings, weil der Schauer wohl etwas länger ausfällt — oder weil wir noch nicht weit genug von Hilo entfernt sind.

An den Peepee Falls und den Boiling Pots ist der Regen dann schon in einen leichten Niesel übergangen und wir halten an. Leider ist aber der Access Trail zu den Pots gesperrt und vom Viewpoint aus hat man durch die hochgewachsene Vegetation nur noch eine recht eingeschränkte Sicht.


Auf der Weiterfahrt bessert sich das Wetter dann zunehmend und als wir etwa 1400 Höhenmeter erreicht haben, durchstoßen wir die Wolkendecke. Ein strahlend blauer Himmel zeigt sich und der Mauna Kea liegt in seiner ganzen Schönheit frei vor uns — also haben wir alles richtig gemacht thumbsup

Aber der Mauna Kea muss noch ein bisschen auf uns warten, denn zuerst fahren wir nun über die Observatory Road hinauf zum nur wenige Meter kleineren Mauna Loa.

Die schmale und teilweise etwas unübersichtliche Straße schlängelt sich durch ein riesiges Lavafeld nach oben. Soweit wir schauen können, sehen wir nur Lava — frische und alte Lava, glatte glänzende Lava und große raue Brocken, graue, schwarze und braune Lava, A’a-Lava und Pahoehoe-Lava — einfach Lava in allen Formen und Farben.

Es hätte ein bisschen was von einer öden Mondlandschaft, wären da nicht immer und überall die zarten grünen Triebe und Pflanzen, die es allen Widrigkeiten zum Trotz schaffen zu überleben.

Immer wieder müssen wir anhalten, um diese unwirkliche Szenerie auf uns wirken zu lassen. Und natürlich um den Wahnsinnsblick auf den Mauna Kea zu genießen, den man von hier oben hat.

Wir fahren bis zum Parkplatz bei den Observatorien, ab dort ist die Straße leider gesperrt. Nach einer kurzen Pause drehen wir um und fahren die Observatory Road wieder nach unten. Auf dem Rückweg entdecken wir dann noch in der Nähe von Strommast Nr. 200 diesen Pitkrater, der 50 Fuß tief sein soll:


Gegen 12:00 Uhr sind wir wieder unten an der Saddle Road. Bevor wir nun zum Mauna Kea hinauffahren, wollen wir uns noch ein bisschen die Füße vertreten und dazu erscheint uns der kurze Kipuka Pu’u Huluhulu Trail gerade recht.

Der Hike führt auf einen kleinen Hügel hinauf, der beim Ausbruch des Mauna Loa von der rundherum fließenden Lava verschont geblieben ist und somit seine komplette Vegetation erhalten konnte.

Der dadurch entstehende Kontrast zwischen dem intensiven Grün des Regenwaldes und der schwarzen Lava begeistert uns. Wir laufen eine große Runde um die Anhöhe herum, durchstreifen die interessante Landschaft, genießen die Ausblicke und Andreas findet sogar einen Geocache.

Der Trail ist nicht besonders lang und nach einer reichlichen halben Stunde sind wir schon wieder am Auto zurück.


Jetzt geht es also hinauf auf den Mauna Kea — den höchsten Berg der Erde. Und das ist er tatsächlich — zumindest wenn man ihn vom Meeresboden aus misst und nicht nur den sichtbaren Bereich betrachtet. Dann erreicht er nämlich eine stolze Höhe von 10.200 Metern. Über den Meeresspiegel ragen davon nur etwa 4.200 Meter.

Wir haben anfangs ein kleines bisschen Bedenken wegen des Tanks. Er ist nach dem Exkurs zum Mauna Loa nur noch zu einem knappen Drittel gefüllt und im Hawaii-Forum wurde immer wieder gewarnt, dass man den Tank unbedingt mehr als halb voll haben sollte, wenn man nach oben fährt.

Letztlich verlassen wir uns aber doch auf die Anzeige im Jeep, die im Moment besagt, dass der Sprit noch 250 km reicht und auf unseren gesunden Menschenverstand — schließlich brauchen wir zum bergab fahren ja später kaum noch Sprit.

Zunächst fahren wir bis zum Visitor Center. Normalerweise wird empfohlen, hier mindestens eine halbe Stunde Pause einzulegen, um sich wegen der Höhe etwas zu akklimatisieren. Wir brauchen diese Zeit allerdings nicht, denn wir waren schließlich gerade erst auf dem Mauna Loa. Außerdem sind wir ja den kurzen Trail auf 2000 Meter gelaufen und merken überhaupt nichts bzgl. der Höhe.

Also geht es nach einer kurzen Runde durch den Shop gleich weiter. Wir nehmen zwei junge Burschen mit nach oben, die am Visitor Center stehen und nach einem Ride fragen. Ihr Auto ist nicht geländegängig genug um bis ganz nach oben zu fahren und wir haben ja noch genug Platz im Auto.

Die Straße zum Summit überrascht uns dann doch sehr. Wir haben uns sonst etwas vorgestellt, nachdem wir im Vorfeld von allen Seiten gehört hatten, dass man unbedingt einen Jeep braucht um da hoch fahren zu können. Aber die Fahrt ist total einfach — das könnte man locker mit einem ganz normalen SUV fahren.

Am Trailhead zum Lake Wai’au legen wir einen Zwischenstopp ein und laufen die kurze Runde zum See.

Im Gegensatz zum Mauna Loa ist die Landschaft hier am Mauna Kea von Asche-Kegeln geprägt — ein vollständig anderes Bild!

Der Lake Wai’au ist den Hawaiianern heilig und es gibt eine Menge Legenden um ihn.

Ein Schild untersagt explizit das Baden, aber darauf verspüren wir eh keine Lust.

Zum einen natürlich wegen der Temperaturen in dieser Höhe, aber zum anderen auch angesichts der Tatsache, dass die Hawaiianer hier im See die Nabelschnüre ihrer Babys und die Knochen bzw. Asche von verstorbenen Familienmitgliedern versenken.

Zurück am Trailhead nehmen wir noch das letzte kurze Stück bis zum Summit in Angriff. Oben angekommen, herrscht ein eisiger Wind und jetzt brauchen wir doch noch unsere dicken Jacken. In denen genießen wir dann einfach nur das Gefühl der unendlichen Weite. Es fühlt sich tatsächlich ein bisschen so an, als würden wir auf dem Dach der Erde stehen wink

Leider gibt es hier oben keine weiteren Trails. Da der eigentliche Gipfel den Hawaiianern heilig ist, bittet ein Schild um den nötigen Respekt und eine Nichtbesteigung. Daran halten wir uns natürlich, obwohl wir gerne raufgegangen wären.

So laufen wir nur ein bisschen herum und schauen uns um. Hier oben auf dem Mauna Kea stehen einige Sternwarten zum Erkunden des Weltalls. Für Stern- und Himmelsbeobachtungen ist der Mauna Kea einer der besten Ort auf dem Planeten, was zum einen an der Höhe und der fehlenden Luftverschmutzung und zum anderen an der Lage im Pazifik liegt.

Bis zum Sonnenuntergang zu warten ist uns allerdings viel zu lang. Gegen 16:00 Uhr fahren wir wieder nach unten, was auch völlig unproblematisch ist. Was da in diversen Foren immer geschrieben wird, dass diese Fahrt ohne Jeep absolut nicht machbar wäre, können wir in keinster Weise nachvollziehen. Andreas muss auf der Fahrt nach unten noch nicht mal den 4WD einlegen.

Wir laden die zwei Ungarn wieder am Visitor Center bei ihrem Auto ab und fahren dann zurück nach Hilo. Die Tankanzeige ist noch immer unkritisch — auch da haben wir uns also mal wieder viel zu viele Gedanken gemacht. Wir tanken in Hilo aber trotzdem gleich nochmal voll, wir sind ja schließlich noch ein paar Tage auf der Insel…


In Hilo fahren wir direkt kurz am Pineapple’s vorbei in der Erwartung, dass es dort eine längere Wartezeit geben wird. Und es klappt tatsächlich wie erhofft: in 30 Minuten haben sie einen Tisch für uns. Also geht es kurz zurück zum B&B, dort machen wir uns frisch und spazieren dann in aller Ruhe zum Restaurant, wo wir direkt an unseren Tisch können — perfektes Timing thumbsup

Wir teilen uns Scallops als Vorspeise, dann probiere ich den Coconut crusted Catch of the day und Andreas nimmt einen Burger. Dazu gibt’s ein Bierchen und für mich einen Mojito. Beides ist sehr gut und die Stimmung im Restaurant mit Live Musik ist toll.

Auf dem Heimweg quaken wie üblich die Coquis aber entdecken können wir auch heute keinen.