USA - Mittlerer Westen

Cody, Chief Joseph Highway, Lamar Valley

Nach dem gestrigen langen Abend haben wir den Jetlag endgültig besiegt und schlafen bis 5:30 Uhr! Andreas geht seine Morgenrunde laufen und ich döse noch ein wenig weiter, dann packen wir das Auto und begeben uns zum Frühstück.

Hier unterhalten wir uns sehr nett mit den anderen Gästen des B&B - einem Paar aus Park City. Außerdem bekommen wir von Robins Mann Bob noch viele gute Tipps für den Yellowstone. Er erklärt uns, was aktuell gesperrt bzw. aufgrund des vielen Schnees nicht begehbar ist und welche Alternativen es gibt.

Gegen 8:45 Uhr verabschieden wir uns von Robin und Bob - und natürlich von Hanna, die uns wieder ordentlich abschleckt. Uns hat es hier im B&B sehr gut gefallen - falls wir wieder mal nach Cody kommen, werden wir sicher wieder hier absteigen.

Wir gehen noch eben zu Albertsons, um uns für die nächsten sechs Tage im Yellowstone einzudecken, denn dort werden wir wohl öfters aus den eigenen Vorräten essen und müssen diese deshalb etwas auffüllen.


Gegen 9:30 Uhr sind sind wir schließlich aufbruchbereit - deutlich später als geplant. Wir wollen aber trotzdem noch ein zweites Mal ins Museum und uns den Buffalo Bill Teil anschauen - eine Stunde wird dafür noch spendiert.

Die Geschichte von Buffalo Bill, der mit richtigem Namen William F. Cody hieß und nach dem die Stadt ihren Namen bekam, ist sehr interessant. Er war u.A. als Pony-Express-Reiter, als Bison-Jäger und als Kundschafter der Armee tätig. Berühmt wurde er mit seiner Buffalo Bill’s Wild West Show, mit der er Ende des 19. Jahrhunderts den Wilden Westen in anderen Landesteilen und in Europa lebendig werden ließ.

Nach einer reichlichen Stunde verlassen wir das Museum wieder und brechen bei angenehmen 24 Grad und blauem Himmel auf in den Yellowstone.


Wir schrauben uns die Serpentinen des Chief Joseph Highways hinauf und genießen die atemberaubenden Ausblicke von einer der schönsten Straßen in den USA. Hohe Berge, blühende grüne Wiesen, Kurven ohne Ende.

Am Dead Indian Summit haben wir auf 2450 Meter den höchsten Punkt erreicht, dann geht es die Serpentinen auf der anderen Seite wieder hinunter.

Wir halten immer wieder an den Viewpoints, um die Aussicht zu genießen - z.B. an der Sunshine Bridge oder den Blick auf den Pilot Peak:

Kurzzeitig überqueren wir die Grenze zu Montana und legen in Cooke City einen kurzen Halt ein.

Es ist merklich kühler geworden - nur noch 16 Grad zeigt das Thermometer - und der Himmel beginnt sich langsam zuzuziehen.

Am Parkeingang zeigen wir unseren Interagency Pass vor und dürfen passieren. Juhu - wir sind wieder im Yellowstone!

Keine fünf Minuten später - wir freuen uns gerade noch, dass wir da sind - bemerken wir ein Auto das auf der falschen Straßenseite parkt. Das kann nur eines bedeuten: Viecher wink

Und tatsächlich: im Gebüsch entdecken wir zwei Elche - ist das toll!

Und es kommt sogar noch besser: Nur zehn Minuten später gibt es schon die nächste Menschenansammlung an der Straße, was für uns Moose Nummer 3 und 4 bedeutet. Diesmal ist es eine Mutter mit Kalb, wobei das Kalb aber sehr gut versteckt ist und leider nicht auf’s Bild zu bekommen ist.


Gegen 14:00 Uhr kommen wir am Lamar River Trailhead an. Hier wollen wir heute die Wanderung zum Cache Creek machen. Wir stärken uns noch kurz mit einem Turkey Wrap, packen den Rucksack und marschieren dann los.

Der Weg führt zunächst ein Stück am Lamar River entlang und später quer über die Wiesen.

Irgendwann sehen wir in der Ferne eine riesige Bisonherde. Im ersten Moment denken wir noch “Toll, genau in der Richtung, in die der Wanderweg führt, da kommen wir ja ganz nah vorbei”.

Aber je näher wir kommen, desto weniger begeistert sind wir von dieser Aussicht. Wie sich zeigt, lagert die Herde nicht in der Nähe des Trails sondern der Trail führt mitten durch sie hindurch.

Da wir keine sonderlich große Lust verspüren, den mächtigen Bullen zu nahe zu kommen und diese ohnehin schon recht argwöhnisch zu uns herüber schielen, laufen wir lieber einen sehr großzügigen Bogen um die Herde herum, auch wenn wir dazu eine ziemliche Kraxelei in Kauf nehmen müssen.

Irgendwann haben wir es aber geschafft und können auf dem normalen Wanderweg weiter laufen. Wir hoffen nur, dass die Herde weitergezogen ist, bis wir auf dem Rückweg wieder hier vorbei müssen.

Der restliche Weg bis zum Cache Creek verläuft weniger aufregend. Wir treffen nur sehr wenige andere Wanderer und bis auf ein paar einzelne Pronghorns auch keine weiteren Tiere.

Am Ziel angekommen, machen wir eine kurze Pause, genießen den Ausblick, essen einen Apfel und machen uns dann wieder auf den Rückweg.

Als wir uns der Stelle mit den Bisons nähern, sind wir sehr gespannt. Und die Herde ist tatsächlich weitergezogen.

Allerdings nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Jetzt belagern die Büffel nicht nur den Wanderweg, sondern auch noch einen großen Teil des Hügels, den wir vorher zum Umgehen genutzt hatten.

Was jetzt?

Ein weiteres Ausweichmanöver ist angesagt. Wir schlagen einen riesigen Bogen, der immer noch größer wird, denn hinter jeder Kuppe scheinen neue Bullen auf uns zu lauern eek

Wir sind uns auch gerade ziemlich unsicher, wie groß der Mindestabstand zu Büffeln sein sollte und gehen lieber auf Nummer Sicher. So wird die Wanderung zwar etwas länger als ursprünglich geplant, aber wir kommen nach 3.5 Stunden zumindest wieder heil zum Auto zurück wink


Tiere haben wir nun für heute genug gesehen. Denken wir. Aber auf der Brücke vor der Tower Junction geraten wir schon wieder in einen Menschenauflauf, was nur eines bedeuten kann.

Diesmal sind es drei Schwarzbären - eine Mutter mit zwei Cubs - die auf dem gegenüberliegenden Hügel gerade nach oben klettern.

Sie sind allerdings sehr weit entfernt - da können wohl nur die aufgereihten Profi-Fotografen mit ihren Mega-Objektiven halbwegs vernünftige Bilder machen.

Der Himmel sieht inzwischen immer bedrohlicher aus und das Thermometer fällt und fällt und fällt.

Kurz vor Mammoth Hot Springs fängt es dann an zu regnen bei inzwischen gerade mal noch 6 Grad.

Wenn das so weitergeht, haben wir morgen früh hier Neuschnee eek.

Uns ist kalt und wir wollen jetzt eigentlich nur noch schnell nach Mammoth zum Einchecken und uns aufwärmen.

Stattdessen müssen wir nach zehn Minuten schon wieder wegen einem Bären anhalten biggrin


Mittlerweile regnet es richtig heftig und wir fahren das letzte Stück durch, ohne noch einmal anzuhalten.

Wir checken ein, beziehen unsere Cabin und ziehen erstmal warme Sachen an.

In den Zimmern gibt es keinen Kühlschrank und auch kein Internet. Dank Kühltasche kein Problem für uns und das Internet kommt auch mal zwei Tage ohne uns zurecht.

Wir vespern noch etwas aus unseren Vorräten und überlegen, was wir morgen so anstellen.

Dann suchen wir uns alle warmen Decken zusammen, die wir finden können und gehen relativ früh zu Bett.

Über uns rumpelt es im Dach - das klingt als ob sich da ein Frettchen o. Ä. eingenistet hat. Das kann ja eine lustige Nacht werden...