USA - Mittlerer Westen

Norris Geyser, Artist Paintpots, Monument Geyser, Firehole Canyon

Da der Wetterbericht für heute noch den besten Tag gemeldet hat und es ab morgen richtig gruselig aussieht, stehen wir recht früh auf, um den Tag bestmöglich zu nutzen.

Die Kühltasche ist mittlerweile so gut wie leer, also gehen wir zum Frühstück in die Lodge. Das Restaurant öffnet um 6:30 Uhr und pünktlich auf die Minute stehen wir davor. Es gibt alternativ zum Frühstück a la carte ein reichhaltiges Büffet, an dem wir uns beide bedienen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis dafür ist absolut ok - mal schauen ob das beim Abendessen auch so ist, für heute Abend haben wir nämlich eine Dinner-Reservierung.

Hier im Lake Area sind fast alle Trails noch wegen Grizzly-Aktivität gesperrt, deshalb wollen wir heute die untere Hälfte der “Acht” abfahren, dabei unterwegs den ein oder anderen kurzen Hike einschieben und nach Möglichkeit noch ein paar der farbenfrohen Geysire noch bei Sonne anschauen.


Gegen 7:15 Uhr fahren wir los in Richtung Norris Geyser Basin im Westteil des Parkes. Als wir dort ankommen, ist noch nicht sehr viel los und wir laufen zuerst die Loop im Back Basin ab. Überall zischt es und dampft und brodelt und spritzt.

Besonders beeindruckend ist der Steamboat Geyser - der welthöchste aktive Geysir, dessen Wasserfontäne bei einem Ausbruch bis zu 120 Meter hoch reicht. Er bricht aber äußerst selten aus und ist nicht vorhersagbar. Die letzte große Eruption war im September 2014 - na dann warten wir hier mal lieber nicht auf die nächste...

Auch der unmittelbar daneben liegende Cistern Spring gefällt uns mit seinen vielen verschiedenen Farbtönen total gut. Wenn der große Nachbar einmal massiv ausbricht, entleert sich der Cistern Spring völlig und braucht einige Tage um sich wieder zu füllen.

Der Vixen Geyser gurgelt und spuckt gerade, als wir an ihm vorbeilaufen. Fünf Minuten dauert das Schauspiel, dann herrscht wieder Ruhe bis zur nächsten Eruption.

Wunderschön auch der Minute Geyser, der gerade am sprudeln ist. Früher ist dieser alle 60 Sekunden ausgebrochen - manchmal mit Fontänen bis zu 15 Meter hoch. Heute erreicht er nur noch weniger als einen Meter, was vor allem gedankenlosen Besuchern geschuldet ist. Durch das Hineinwerfen von Geldstücken u.A. wurde der Geysir mit der Zeit zerstört.

Nach dem Back Basin laufen wir noch durch das Porcelain Basin, was durch Regenbogenfarben, zischende Dämpfe und beißende Gerüche gekennzeichnet ist.

Wir bewundern die tollen Farben und unsere Kamera muss während des Rundgangs Schwerstarbeit verrichten.

Nach zwei Stunden haben wir beide Loops abgelaufen und verlassen das Gebiet, in dem es langsam voll wird. Frühes Kommen sichert auch hier einen leeren Boardwalk...


Wir fahren weiter in Richtung Madison und geraten prompt in einen Bisonstau. In unsere Richtung ist es zum Glück nicht so schlimm, aber in der Gegenrichtung - aus West Yellowstone kommend - hat sich eine mindestens 1.5 Kilometer lange Autoschlange gebildet.


Den nächsten Stopp legen wir an den Artist Paintpots ein. Hier führt ein kurzer Trail an sprudelnden Quellen und dampfenden Pools vorbei, die in den buntesten Farben leuchten. Leider nur hat sich meine Kamera hier irgendwie etwas verstellt, so dass alle Bilder des restlichen Tages einen ziemlichen Farbstich haben.

Besonders imposant ist auch dieser blubbernde Schlammtopf:


Gegen 11:00 Uhr fahren wir weiter in Richtung Madison. Wir kommen allerdings nicht sehr weit, denn das Trailhead-Schild vom Monument Geyser verleitet uns zum Anhalten.

Die Wanderung zu diesem Geysir führt anfangs eine Weile am Gibbon River entlang und geht dann recht steil nach oben. Der Weg ist nicht ganz unanstrengend, aber lohnt sich auf jeden Fall - schon wegen der tollen Aussicht, die man oben hat.


Unser nächster Halt erfolgt an den Gibbon Falls.

Hier ist schon wieder deutlich mehr los im Gegensatz zum letzten Trail, auf dem wir fast alleine unterwegs waren.

Na klar - hier muss man ja auch nur 100 Meter weit laufen wink


Als wir später über den Firehole Canyon Drive fahren, trauen wir unseren Augen nicht: in der Mitte der steilen Canyonwand sitzt ein Deer und hat auch noch ein Junges dabei. Absolut unglaublich. Wir rätseln, wie die zwei dahin gekommen sein könnten, können aber keinen vorstellbaren Weg entdecken.

Noch ein paar Eindrücke aus dem Canyon:


An den restlichen Geysiren in der Gegend fahren wir vorbei, denn wir müssen uns ja auch noch etwas für die letzten beiden Tage aufheben. Stattdessen fahren wir zur Old Faithful Area, denn wir pfeifen benzintechnisch auf dem letzten Loch und brauchen dringend eine Tankstelle.

Allerdings geht es ab dem Lower Basin nur im Stopp & Go voran. Der Grund dafür ist nicht wirklich zu erkennen. Kein Büffel weit und breit, kein anderes Getier, keine Baustelle. Jedenfalls kostet uns das ganze eine halbe Stunde.

Währenddessen hat sich der Himmel mehr und mehr verdunkelt.

Das für morgen angekündigte schlechte Wetter rückt näher. Und zwar auf einmal richtig schnell.

Es dauert gar nicht lange, da wird es von oben recht nass. Eigentlich hatten wir heute noch etwas länger auf Sonne gehofft, aber nun müssen wir es halt so nehmen wie es kommt.

Erstmal tanken wir und schauen kurz im Visitor Center vorbei, dann fahren wir zurück zum Lake. Vielleicht ist das Wetter ja dort besser. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt wink

Und der Regen hört tatsächlich auf. Stattdessen fängt es an zu schneien und das Auto bringt eine Frostwarnung...

Wir sollten wohl besser zum gemütlichen Teil übergehen. Es ist zwar erst 16:30 Uhr, aber wir haben heute ja schon genug gemacht und beim Blick aus dem Fenster verwirft auch Andreas recht schnell den Gedanken an’s Joggen gehen.

So drehen wir in unserer Cabin die Heizung auf, kuscheln uns in die warmen Decken und chillen eine Runde bis es 18:00 Uhr ist und wir in die Lodge zum Dinner gehen können.

Während wir so am Tisch sitzen und nach draußen schauen, kommen wir uns vor wie in einem dieser kitschigen Weihnachtsfilme, in denen es genau am Heiligen Abend zu schneien anfängt und die Kinder begeistert am Fenster stehen und nach draußen schauen.

Das Essen in der Lodge ist sehr gut.

Allerdings sind die Portionsgrößen umgekehrt proportional zum Preis, was mit unserem Hunger nicht so wirklich kompatibel ist.

Wir nehmen also beide zwangsläufig noch ein (sehr leckeres und kalorienreiches) Dessert, nach dem wir dann doch halbwegs satt sind.

Wir gehen noch ein Stück am See entlang und als wir in unsere Cabin zurück kommen, hat die Heizung in der Zwischenzeit ganze Arbeit geleistet. Es ist richtig kuschelig warm, so dass wir heute Nacht sicher jeder drei Decken weniger brauchen als gestern wink