USA - Südwesten

Death Valley

Die Klimaanlage hat durchgehalten - auch wenn wir aufgrund der Geräusche, die sie so von sich gibt, zwischenzeitlich schwer daran gezweifelt haben.

Andreas lässt es sich nicht nehmen, noch vor dem Frühstück bei 105ºF eine Runde laufen zu gehen. Ich kann mir da etwas besseres vorstellen und drehe mich stattdessen noch einmal für eine Runde im Bett herum.

Ansonsten lassen wir es eher gelassen angehen und sitzen erst um kurz vor 8:00 Uhr im Forty-Niner zum Frühstück. Wir haben unsere Lektion von gestern gelernt und ordern heute eine kleinere Portion, die trotzdem noch recht reichlich ausfällt. Dann machen wir uns auf, das Tal des Todes zu erkunden.

Das Visitor Center hat noch geschlossen, so nehmen wir uns nur eine Karte aus der Auslage und fahren dann auf der Parkstraße einmal quer durch den Park.

Als erstes geht es zum nordöstlichen Ende - wir wollen uns die Geisterstadt Rhyolite anschauen. 1904 nach ersten Goldfunden in der Gegend gegründet, wuchs die Stadt innerhalb von fünf Jahren auf über 10.000 Einwohner und war damit die drittgrößte Stadt Nevadas, die u.a. 19 Hotels, 53 Saloons, eine Oper und drei Krankenhäuser zu bieten hatte. Viel ist davon heute allerdings nicht mehr zu sehen, denn als die Goldvorkommen ausgebeutet und der große Boom vorbei war, verfiel die Stadt fast genauso schnell wie sie aus dem Erdboden geschossen war: Im Jahr 1919 schloss das Postamt von Rhyolite und der letzte Einwohner verließ die Stadt.

Da dass Museum leider geschlossen hat und auch sonst keine Führung o.ä. zu bekommen ist, schauen wir uns einfach so etwas um. Neben den Resten einiger Gebäude wie Schule, Bahnhof oder Bank gibt es auch fotogenen Metall-Schrott und diverse Kunstwerke zu sehen.

Die Geisterstatuen machen ja in einer Ghost Town irgendwie noch Sinn, aber ansonsten erschließt sich uns weder die Kombination aus Bergmann und Pinguin noch die Bedeutung der überdimensionalen Legodame.

Das Bottle House gefällt uns dann aber wieder - ebenso wie die Geschichte dazu: erbaut aus dreißigtausend Bier- und Schnapsflaschen, eingesammelt in den örtlichen Saloons, wo keine Knappheit an leeren Flaschen bestand. Weder Marmor noch Gold haben die Zeit überdauert, aber die Bierflaschen sind geblieben wink


Als wir genug altes Gerümpel fotografiert haben, fahren wir noch eben die vier Meilen bis nach Beatty, wo wir den Tank wieder voll machen und uns nochmal mit Getränken eindecken. Immerhin kostet der Sprit hier über einen Dollar weniger als in Furnace Creek - das lohnt sich schon.

Dann geht es wieder zurück in’s Death Valley und auf die Titus Canyon Road.

Die ersten 10 Meilen der Piste sind noch recht einfach zu fahren und die Gegend ist eher unspektakulär. Dann wird es jedoch immer bunter und die Fahrerei über die Serpentinen auf den Red Pass hinauf wird immer anspruchsvoller.

Wir sind froh über unseren Explorer - mit einem normalen Wagen möchte man hier eher nicht lang fahren. Teilweise kommen wir durch tiefe Furchen und große Steine nur im Schritttempo voran - aber die Aussicht ist dafür toll und wir halten immer wieder an, um Fotos zu machen.

Auf knapp 1.600 Meter haben wir dann den Summit erreicht und es geht wieder bergab.

An der ehemaligen Goldgräberstadt Leadfield steigen wir kurz aus und laufen nach oben. Auf einer Infotafel ist hier zu lesen, dass Leadfield eine noch kürzere Lebensdauer hatte als Rhyolite: der Boom hielt gerade mal ein halbes Jahr...

Auf der Weiterfahrt wird die Straße nun wieder einfacher befahrbar, so dass auch Andreas mehr die farbenfrohe Landschaft genießen kann. Irgendwann kommen wir in den eigentlichen Titus Canyon und die hohen Felsen rücken immer näher zusammen. Es ist fast ein wenig bedrückend - ein Slot Canyon für Autos wink


Nach Insgesamt 2.5 Stunden sind wir wieder auf der Haupt-Parkstraße und fahren nun in Richtung Furnace Creek Ranch zurück.

Unterwegs halten wir am Salt Creek, um den Interpretive Trail zu laufen. Als wir aus dem Auto steigen, bläst uns ein heißer Wind wie aus einem Fön in’s Gesicht - das ist richtig unangenehm. Aber dafür hält sich der Besucherandrang hier bei mittlerweile 125ºF echt in Grenzen.

Der größte Teil von Salt Creek ist trocken und von einer leuchtend weißen Salzschicht überzogen, die durch regelmäßige Überschwemmungen und anschließendes Verdunsten des Wassers entsteht.

Der kurze Loop führt über einen schmalen Holzplankenweg und bietet keinerlei Schatten. Zumindest nicht, wenn man über den Steg läuft. Wenn man sich allerdings darunter verkriecht, kann man der Hitze wahrscheinlich etwas entgehen. Das wird sich so ähnlich wohl der kleine Kojote gedacht haben, der - durch unsere Schritte über die Planken aufgeschreckt - plötzlich hervorspringt. Wobei “springt” eigentlich maßlos übertrieben ist - eher schreitet er sehr gemächlich davon, die Hitze setzt ihm sicher genau so zu wie uns...

Wir fragen uns gerade noch, wie der hier wohl aktuell seinen Wasserbedarf stillt, da entdecken wir doch tatsächlich eine Art kleinen Tümpel, in dem sich sogar unzählige winzig kleine Pubfische tummeln.

Es ist einfach unglaublich, dass in der hier herrschenden Hitze und dem extrem salzigen Wasser Fische überleben können.


Den nächsten Stopp machen wir bei den Harmony Borax Works. Auf dem wirklich kurzen Rundweg erfährt man auf diversen Infotafeln einiges über die Geschichte der Borax Raffinerie und kann noch einen der legendären "20-Mule Trains” besichtigen, mit denen das Borax damals aus dem Tal transportiert wurde.


Da es immer wärmer zu werden scheint, legen wir an der Furnace Creek Ranch erstmal eine Pause ein und holen uns im Store ein Eis - diese Affenhitze hält ja sonst kein Mensch aus hot Außerdem kaufen wir auch noch ein paar Eier, denn wir wollen heute mal testen, ob man diese bei solchen Temperaturen tatsächlich auf der Motorhaube braten kann, oder ob das nur hohle Phrasen sind...

Etwas akklimatisiert fahren wir dann zum Golden Canyon. Bevor wir uns dort allerdings auf den Trail machen, treffen wir noch die Vorbereitungen für unseren Eier-Test. Es ist gar nicht ganz einfach, das Auto so abzustellen, dass sich die Motorhaube in der Horizontalen befindet und das Ei nicht sofort wegläuft. Aber wir bekommen es hin, und als das Ei in der “Pfanne” ist, laufen wir los - mal schauen ob es gebraten ist bis wir wieder kommen wink

Der Canyon gefällt uns mit seiner Farbenpracht richtig gut. Leider können wir nicht den ganzen Trail laufen, denn es ist einfach viel zu heiß heute. Der Schweiß rinnt uns nur so über’s Gesicht und so drehen wir nach etwa 15 Minuten wieder um.

Unser Ei hat inzwischen gut gebrutzelt und ist verzehrfertig. Zumindest theoretisch wink

Auf jeden Fall hat unser Auto den Eier-Test bestanden, auch wenn man fairerweise sagen muss, dass das Eiweiß teilweise eher vertrocknet als fertig gegart ist.


Unsere letzte Aktion für heute ist ein Abstecher zum tiefsten Punkt bei Badwater und eine Fahrt über den Artists Drive.

Wir bestaunen die skurril wirkenden Salzablagerungen und die tollen farbenfrohen Felslandschaften an der Artists Palette, allerdings fällt es uns immer schwerer, aus dem Auto auszusteigen um ein Foto zu machen, denn das Thermometer steigt und steigt…

Es ist kaum noch auszuhalten: irgendwann sind wir bei 131ºF. Wir geben auf und fahren zurück zur Ranch, wo wir uns erstmal für eine ganze Weile im Store und in unserer Cabin akklimatisieren. Wir machen eine Stunde lang einfach gar nichts außer im Zimmer zu liegen und den Deckenventilator zu genießen und sind schon froh, dass es morgen wieder in eine kühlere Gegend geht.

Abends essen wir mangels Alternativen wieder im Forty-Niners und knipsen heute nicht ganz so spät das Licht aus.