USA - Südwesten

Blue Canyon, Coalmine Canyon

Heute ist wieder ein etwas früherer Aufbruch angesagt, da wir eine verhältnismäßig lange Strecke vor uns haben.

Als wir um 7:00 Uhr beim Frühstück an unserem nummerierten und mit Fähnchen dekorierten Tisch sitzen, stellt sich heraus, dass unser zugewiesener Tischnachbar John Hinkley ist - Autor vieler South West Bücher, von denen wir schon einige in den Händen gehalten haben.

Wir unterhalten uns super nett mit ihm. Er schenkt uns eines seiner signierten Bücher und gibt uns noch viele Tipps für Unternehmungen in der Gegend. Dieses Mal haben wir dafür zwar leider keine Zeit mehr, aber wir sind ja sicher nicht das letzte Mal hier und werden einige seiner Tipps bei der Planung des nächsten Urlaubes mit integrieren.

Zum Frühstück gibt es frische Brötchen in vielen Varianten - das beste Brot, was wir bisher in den USA gegessen haben. Dazu Müsli, Marmelade und gekochte Eier - ein typischen Continental Breakfast.


Um 7:30 Uhr sitzen wir im Auto und nehmen Kurs auf unser erstes Tagesziel: den Blue Canyon.

Zunächst fahren wir auf der 87 nach Norden.

Die Strecke ist relativ ereignislos - beinahe schon langweilig.

Andreas hat bei der ersten Rechtskurve fast Probleme, das Lenkrad zu drehen, als die Straße nach zig Kilometern schnurgeradeaus plötzlich eine Biegung macht wink

Als wir dann in die 264 abbiegen, wird die Landschaft wieder deutlich interessanter und nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir den unscheinbaren Abzweig, den wir ohne die Wegbeschreibung von Fritz Zehrer niemals gefunden bzw. nie für voll genommen hätten. Wenn man hier nicht genau weiß, wie man fahren muss bzw. dass es hier überhaupt etwas zu entdecken gibt, würde man an dem Juwel des Blue Canyon glatt vorbeifahren.

Wir aber sind gut vorbereitet (Danke, Fritz wave), verlassen den Teer und fahren nun 15 Meilen Dirt Road vom Feinsten. Unser Auto fliegt geradezu über die Straße - wir können teilweise 60 mph fahren. Nur an ein, zwei Stellen gibt es minimale Herausforderungen, die Andreas aber schwungvoll meistert:

Gegen 10:00 Uhr erreichen wir die Hoodoos mit den rotbraunen Zipfelmützen, um die lange Zeit ein großes Geheimnis im Netz gemacht wurde. Wir stellen unser Auto ab, schmieren uns ordentlich mit Sonnencreme ein und machen uns auf zu einem Erkundungsgang.

Es ist eine fantastische Hoodoo-Welt, die wir hier entdecken und wir durchstreifen das Gebiet - immer auf der Suche nach neuen Fotomotiven.

Viele der fotogenen Hüte sind leider schon abgebrochen, das Material ist extrem weich und porös.

Der Name Blue Canyon hat übrigens mit diesen zipfelmützigen Felsen überhaupt nichts zu tun - er stammt von den blauen Badlands, die ganz in der Nähe liegen.

Was bei unserem Rundgang leider echt lästig ist, sind die vielen Stechfliegen und Pferdebremsen, die hier unterwegs sind. Obwohl wir uns wirklich gut mit Mückenspray eingedeckt haben, fressen sie uns regelrecht auf. Es kommt wohl nicht allzu oft Futter hier vorbei...

Stehenbleiben ist absolut nicht angeraten: wenn wir nicht ständig in Bewegung bleiben, fallen sie sofort über uns her - das Fotografieren wird so zur echten Herausforderung.

Nach einer Stunde halten wir es nicht mehr aus. Die Viecher haben mittlerweile den Dreh raus und stechen uns auch in der Bewegung. Sie kommen uns unter die Hosenbeine und in die Schuhe und wir müssen wohl oder übel von diesem tollen Ort flüchten sad


Wir fahren also weiter und sind eine knappe Stunde später an unserem nächsten Tagesziel: dem Coalmine Canyon. Hier ist zum Glück eine mückenfreie Zone, so dass wir nicht die ganze Zeit hektisch um uns schlagen müssen wink.

Wir laufen ein ganzes Stück am Rim entlang und genießen die atemberaubenden, kontrastreichen Ausblicke in den Canyon:

Unzählige Felszacken leuchten hier in satten, kräftigen Brauntönen, während die Canyonwände ganz helle, fast weiße Farbtöne haben - ein toller Kontrast.

Da das Gestein sehr brüchig aussieht, wagen wir uns allerdings nicht sehr nahe an die Abbruchkante heran und an ein Hinabsteigen ist nicht zu denken - nicht nur, weil es recht gefährlich aussieht, sondern auch, weil wohl die rechtliche Situation völlig unklar ist: der Canyon befindet sich genau auf der Grenze zwischen Navajo- und Hopiland und beide Stämme beanspruchen das Land für sich.

Egal bei welchen offiziellen Stellen man nachfragt, überall bekommt man eine andere Antwort. Bei den einen ist der Coal Mine Canyon für Besucher gesperrt, dann heißt es, es wäre ein Permit notwendig, wieder andere behaupten, man kann völlig legal hinein wandern und benötigt gar nichts.

Wir belassen es also mit den Ausblicken aus der Vogelperspektive.


Ganz in der Nähe muss sich auch der Ha Ho No Geh Canyon befinden, den wir uns nun gerne noch anschauen wollen. Leider habe ich mir aber die Informationen dazu nicht ausgedruckt, da es nur ein “Ersatzprogramm” war. Ich hätte nicht damit gerechnet, so gut in der Zeit zu liegen, denn die Flucht vor den Pferdebremsen war nicht eingeplant wink

Ich habe zwar alle erforderlichen Infos in meiner Dropbox liegen, aber da ich hier keinerlei Empfang habe, (mein Provider heißt schon seit Stunden No Service), kann ich leider nicht darauf zugreifen.

Wir versuchen auf gut Glück die nächste Straße, die von der 264 abbiegt, was aber natürlich zu nichts führt, außer zu einem alten zahnlosen Indianer, der von diesem Canyon noch nie etwas gehört hat...

So heben wir uns das halt für das nächste Mal auf und fahren weiter nach Tuba City, wo es ja auch noch ein paar nette Locations gibt.


Zum ersten wären da die Elefantenfüße, die ich schon immer mal sehen wollte. Aber irgendwie können wir die auch nicht zu entdecken. Laut den Informationen, die ich mir notiert hatte, sollen sie etwa fünf Kilometer vor Tuba City direkt an der Straße liegen. Wir fahren auf der 160 mindestens sieben Meilen in Richtung Osten - aber keine Elefantenfüße weit und breit. Die muss wohl irgendjemand geklaut haben dontknow

Schließlich geben wir dieses Unterfangen auch auf, drehen wieder um und fahren stattdessen zum Trailhead des Tuba Arch, der in unmittelbarer Umgebung liegt.

Wir folgen auch hier der Wegbeschreibung von Fritz und laufen den angegebenen Wash entlang. Allerdings können wir in der gesamten Umgebung der Zielkoordinaten keinen Arch entdecken - auch nicht mit noch soviel Fantasie. Wir laufen den gesamten Wash bis zum Ende ab - kein Arch weit und breit.

Da aber auch hier - ähnlich wie im Blue Canyon - das Gestein sehr porös ist und viel abgebrochene Teile herum liegen, würde es uns nicht wundern, wenn den Arch ein ähnliches Schicksal ereilt hat wie seinerzeit den Wall Arch oder den Ephemerald Arch.

Trotzdem ist der Weg sehr schön und auch die “Nicht-Arch-Felsen” sind recht sehenswert.


Mittlerweile ist es 14:00 Uhr und wir machen uns langsam auf zum letzten Teilstück für heute bis nach Page.

Als wir am Horseshoe Bend vorbei kommen, ist der Parkplatz brechend voll und die Autos stehen noch hunderte Meter an der Straße geparkt eek Kein Vergleich mit unserem ersten Besuch in 2008, als das hier noch ein echter Geheimtipp war.

Wir lassen das Hufeisen links liegen - auf so einen Massenandrang haben wir jetzt keine Lust und außerdem hängt eine dunkle schwarze Wolke drohend am Horizont. Stattdessen fahren wir direkt erstmal zum Bear’s Den B&B, was wir für die nächsten vier Tage vorgebucht haben.

Als wir den Navi-Anweisungen folgen, sind wir zunächst etwas irritiert, denn es scheint uns geradewegs in einen Wohnwagenpark zu leiten. Andreas fragt mich ganz entgeistert, was ich denn hier gebucht habe, als das Navi dann vermeldet “Sie haben Ihr Ziel erreicht”.

Das B&B sieht von außen total unscheinbar aus und ich denke schon, ich habe mit der Buchung einen Fehler gemacht - denn ganz billig ist die Übernachtung hier nicht gerade. Aber als uns Bubba dann die Tür öffnet und herein bittet, weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe thumbsup

Das Zimmer ist super schön und liebevoll eingerichtet und verfügt über jede nur denkbare Annehmlichkeit - angefangen bei einem riesiges Badezimmer mit allem Komfort, einem Massagestuhl im Zimmer (bei dem wir allerdings noch ausknobeln müssen, wer ihn wann benutzen darf wink), einem Garten mit Hot Tub und Barbecue-Möglichkeit und der kostenlosen Nutzung der Waschmaschine. Außerdem gibt es einen gemütlichen Aufenthaltsraum mit Bärenfell und riesigem High-Tech-Fernseher.

Wir richten uns erst mal häuslich ein, da wir hier ja für vier Nächte bleiben und machen es uns dann für eine ganze Weile im Garten gemütlich.

Einfach mal zwei Stunden überhaupt nix tun, das muss schließlich zwischendurch auch mal sein im Urlaub...

Dann machen wir uns frisch und gehen zu Bonkers, wo wir mit Jan und Alida aus dem Amerika-Forum verabredet sind.

Wir verbringen einen sehr netten Abend zusammen, zuerst im Restaurant, später noch bei ihnen im Quality Inn auf der Terrasse. Wir tauschen uns aus über Urlaubsthemen und dies und jenes und unterhalten uns sehr angenehm.

Leider erfahren wir von ihnen auch, dass aufgrund der vielen Regenfälle in den letzten Wochen aktuell weder die Cottonwood Canyon Road noch die Smokey Mountain Road befahrbar sind. Das wirft unsere Pläne ziemlich durcheinander. Yellow Rock, Sidestep Canyon, Alstom Point, ... - das müssen wir alles streichen und ein Ersatzprogramm zusammen basteln. Aber dank Internet und schneller Hilfe aus dem USA-Forum ist das kein Problem und Plan B steht relativ schnell.

Bei einem so netten gemeinsamen Abend vergisst man leicht die Zeit und so wird es ziemlich spät: erst gegen 23:00 Uhr sind wir in unserem B&B zurück und fallen dann dort recht schnell in die Betten.